kritik vom kunstkritiker mario berdic:

SIEGI KLEINDIENST

MEMENTO MORI

LERCHAUS EIBISWALD

(26. 10. – 30. 11. 2014)

 

Die Malerin, Bildhauerin und FotografinSiegelinde Kleindienst, präsentiert sich mit ihrer neuesten Personalausstellung genannt "Memento mori" im Eibiswalder Lerchhaus als eine "Gesamtkunstwerkerin", in einem perfekten Einklang mit dem historischen und auch schon etwas "verrostetem" Ausstellungsraum. Die Künstlerin entwickelte nämlich im Laufe der Zeit eine ganz spezielle Kunsttechnik, wo statt Farbe ein künstlich erzeugter Rost verwendet wird, der aber gleichzeitig als alchimistischer Opus magnum betrachtet werden kann, da man das Kolorit eigentlich auch als goldfarbig ansehen kann (Gold = Lapis philosophicum). Durch diese interessante, eigenentwickelte Kunsttechnik, wo sich Grafik, Malerei und Zeichnung vereinen, werden mit Hilfe von oberflächlich verrosteten (bzw. oxidierten) Metallplatten, die auf einem Kunstpapier abgedruckt werden, zuerst ganz abstrakte, Aktions-Darstellungen mit Collageneffekt erschaffen. Solche freien Formen werden nachträglich mit Farbe, Kreide oder durch Kratzen ergänzt, manchmal auch mit Abbildungen von stark stilisierten, einsamen menschlichen Figuren. Die Künstlerin arbeitet meist auf Papier , aber auch Leinwand, Metallplatten oder Folien kommen zum Einsatz. Sie kombiniert dabei die ockerähnliche, erdliche "Rostfarbe" mit akromatischem Weiss und Schwarz, wobei eine ganz archaische Atmosphäre mit "memento mori" Botschaften erzeugt wird, die aber auch eine positive Bedeutung beinhaltet: ... et expecto resurrectionem mortuorum et vitam venturi saeculi, aus dem Gebet Credo. Ihre Abdrücke, Dripings, Pinselstriche sowie Kreide- oder Ritzzeichnungen vermitteln einen integralen Gesamteindruck von zufällig wirkender Aktionsmalerei mit willentlichen Interventionen und informalischen Ergänzungen, was letztendlich auch als ein Kampfplatz zwischen irrationalem Unterbewußtsein und rationalem Bewußtsein interpretiert werden kann (intimer Seelenkampf - Psychomachie). In einer ganz anderen Formgebung präsentiert die Künstlerin ihre experimentalen Skultupturen vor, die eigentlich als gefundene und bearbeitete Objekte funktionieren (objet trouvé assisté), wie zum Beispiel »Das letzte Hemd« (Kritik auf Konsumgesellschaft und Wegwerfindustrie), oder neokonstruktivistisch wirkendes »Kreuz mit Ausweg«, wo verschiedene Materialien verwendet werden mit Einspielung auf das Bild Jesus am Kreuz in Rosttechnik usw. Wie auch immer, Siegi Kleindienst kann als ein gutes Beispiel dienen, dass im abstrakten Expressionismus noch längst nicht alles gesagt wurde, so auch in der Fotografie. Diesbezüglich sollte erwähnt werden, dass die Künstlerin mit ihrer Abeit auch im benachbarten Slowenien einiges Aufsehen erregte, da sie mehrmals in Maribor ihre Werke präsentierte, besonders noch bei der heuriger XVI. Internationalen Künstlerkolonie Lija Lent, als sie beim Schaffensprozess von mitwirkenden KünstlerInnen mit höchstem Interesse betrachtet und gelobt wurde.      

Mario Berdič Codella, Kunstkritiker, Maribor

Oktober 2014